Wasser ist Kommunikation
Hydranten


Hydranten im Wandel der Zeit

- Die Geschichte des Hydrantismus -

Die Zeit holt die Dinge ein, sagt man, so auch mich, der ich gebeten bin, einige Zeilen zu "meinen Hydranten" niederzuschreiben.

Seit dem ich 1995 in der barocken St. Andreas Kirche in Düsseldorf wieder Hydranten ausstellte, ist über sie viel gesagt und geschrieben worden. Wohl immer aus der direkten Anschauung heraus, sicherlich auch reflektorisch im Sinne einer Kritik oder einer gutheißenden Eröffnungsrede; doch noch nicht aus der Sicht des Malers. Die Frage:"...was will uns der Künstler damit sagen?" bleibt, und wird insofern vordergründig beantwortet, daß er ein Objekt -Hydrant- (ab)malt. Somit wäre die Frage schon beantwortet. Doch bleibt:"...warum?"

Im Jahre 1986 lud der damalige Hafendirektor in Düsseldorf, Franz F. Blumenroth die Künstlergruppe "Von Kunst Zu Kunst", etwa 15 Maler und Bildhauer ein, in einer ehemaligen Lagerhalle zum 90-jährigen Hafenjubiläum auszustellen.

Die Künstlergruppe, der ich angehörte, hatte sich auf die Fahne geschrieben, an ungewöhnlichen Orten thematische Ausstellungen durchzuführen. Die Hafenkulisse und das Wasser inspirierte sie zum Titel "Ludwig Duscht". Die Halle war angefüllt mit Malereien und Objekten aus und vom Hafen, so auch ein Hydrant, den mir die Hafenverwaltung als Original und Anschauungsobjekt zur Verfügung stellte. Mein danach gemaltes Bild war über 2 Meter groß und weckte Interesse. Die Ausstellung wurde insgesamt ein so guter Erfolg, daß die Hafenleitung das ungenutzte Niederlagegebäude Zollhof 3 den Künstlern als weiteren Ausstellungsort überließ. Die Nutzung erfolgte bis zu dessen Abriß 1991.

Die dort mit hohem persönlichen Engagement der Künstler durchgeführten Ausstellungen und Events zum Erhalt des Gebäudes führten sogar zu Vereinsgründungen wie z.B. Kunst im Hafen e.V.

Nach dem Abriß bis zur Neubebauung des Zollhofgeländes im Jahre 1996 stand neben der Baulücke - ein Hydrant.

Mir schien es häufig, wenn ich die Gegend in dieser Zeit besuchte, als warte er nur darauf, entdeckt zu werden. Lange Zeit passierte nichts, die zündende Idee fehlte.

Eines Tages zur Jahreswende 94/95 in meinem Atelier in Düsseldorf als die Temperatur in den Keller ging und die Schneeflocken draußen den Wunsch nach Wärme innen nur noch verstärkten; der Kohleofen war viel zu klein und brauchte Stunden, bis er den Raum aufheizte, fiel mir mein Hydrant da draußen wieder ein. Frieren Hydranten nicht zu? Müssen sie nicht gewartet werden, damit sie, wenn es denn mal brennt, sofort da sind? Ein Anruf bei der Feuerwehr verneinte meine Frage. Man habe heute Unterflurhydranten, die anderen, Überflurhydranten seien nicht mehr in Betrieb. -So wie seinerzeit der Zollhof!

Mein Interesse war geweckt.

Ich legte eine Serie Abbildungen auf Leinwand an, kombinierte sie mit geometrischen Mustern und meinem Schatten sowie verschiedenen Farben, die ich wie zufällig auf die transparente Leinwand auftrug, der "Hydrantismus" war geboren.

Die Abbildungen des gußeisern schweren Hydranten auf transparenter Leinwand wurden zum Thema meiner gegenständlichen Malerei. Immer mehr gewinnt seitdem der Hydrantismus an Raum und Wirklichkeit in meiner Bildersprache. So entwickelte und verfeinerte ich die Möglichkeiten der malerischen Abbildung bis heute, daß die zuletzt gemalten Hydranten wie eingefärbt in die Leinwand scheinen und von beiden Seiten sichtbar sind. Es gibt keine Vorder- und Rückseite mehr; der endgültige Bildeindruck entsteht erst, wenn sich die Leinwand frei im Raum dreht und Licht hindurch fällt.

Der Hydrantismus hat mittlerweile auch auf den Hafen übergegriffen, wie eine brennende Fackel, die Nahrung sucht und selbständig weiter brennt. Die Stadt Düsseldorf reagierte positiv auf meinen Antrag und stellte bis heute 20 Hydranten unter Denkmalschutz.

"Sie..... verweisen auf den ursprünglichen hafentechnischen Betrieb, die Umschlags- und Feuer-schutzmodalitäten der historischen Hafenanlage. Für ihre Erhaltung liegt öffentliches Interesse vor, da sie bedeutend für die Städte und Siedlungen sowie für die Entwicklung der Arbeits- und Produktions-verhältnisse sind. Ihnen kommt wissenschaftliches Interesse zu, da sie Auskunft geben über Details des historischen Hafenbetriebs und für das Erscheinungsbild des über hundertjährigen Düsseldorfer Hafens von Bedeutung sind". So das Gutachten des Rheinischen Amts für Denkmalpflege in Pulheim (Brauweiler).

So, wie die Hydranten z. B. in der Speditionsstraße in Düsseldorf fast an jeder Hausecke stehen, vermitteln sie noch jetzt im Zerfall ein Bild des Neubeginns, Schadensbegrenzung und Wieder-gutmachung nach entstandenem Verlust. Sie sind Wegweiser und Mahnung zugleich. Jeder der 20 Hydranten hat eine eigene Geschichte und ein unverwechselbares Gesicht. Als stumme Zeugen einer verflossenen Zeit erinnern sie an Schutz, Wasserspende und vermitteln ein Gefühl von Sicherheit. Sie bleiben weiter Quell für Ideen und Inspiration. Somit treten sie in einen Dialog mit uns ein: Eine neue Aufgabe und Zeit für die robusten Wassermänner ist angebrochen.

Wolfgang Wimhöfer




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